29 Aug

Bulimie – eine Zivilisationskrankheit, die zu viel nimmt und wieder abgibt

Nämlich Essen – dabei wechseln sich Fressanfälle bei der Betroffenen und danach unmittelbar wieder das Erbrechen ständig ab. Bulimie ist eine psychisch bedingte Essstörung. Die meisten Betroffenen fühlen sich aufgrund einer Körperschemastörung viel zu dick und haben eine krankhafte Angst vor einer noch so geringen Gewichtszunahme. Ein äußerst gering vorhandenes Selbstwertgefühl ist somit gekoppelt mit einer ausgeprägten depressiven Symptomatik. Depressive Störungen können also auch eine häufige psychische Begleiterkrankung sein. Bei der Entstehung der Krankheit spielen genetische Disposition wie auch familiäre Einflüssen oder Beziehungskonflikte eine große Rolle. Aber auch subjektive oder objektive Überforderung können Gründe für die Erkrankung sein. Missbrauch und die psychische Entwicklung in der Kindheit und im Jugendalter spielen oft eine große Rolle. Nach den selbst herbeigeführten Essattacken und dem anschließenden Erbrechen machen sich Ekel, Selbsthass und auch Scham bei der Patientin breit. Gleichzeitig ist sie aber auch erleichtert, weil sie weiß, durch die sofortige Abgabe der Nahrung eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Wer leidet am meisten unter Bulimie?

Eine bulimische Patientin ist meistens normalgewichtig. Ja, Patientin – denn die meisten Betroffenen sind überwiegend junge Frauen. Bulimia nervosa tritt in der Regel bei jungen Frauen zwischen siebzehn und zwanzig Jahren auf, ungewöhnlich wäre ihr Auftreten schon vor dem 14. Lebensjahr. Ganz selten sind junge Männern davon betroffen. Um auf gar keinen Fall zuzunehmen – zumal sie ja meistens schlank sind – versuchen sie nach einem solchen anfallsartigen Essen die Nahrung sofort durch Erbrechen wieder loszuwerden. Der Missbrauch von Abführmitteln, exzessiver Sport oder Crash-Diäten sind für sie weitere Möglichkeiten auf gar keinen Fall zuzunehmen. Patienten mit massiven Essstörungen können oft nur schwer mit ihren Emotionen umgehen. Die bulimische Patienten befinden sich oft in einem ständigen Sehnsuchtszustand und die Essanfälle versetzen sie in eine Art Rausch. Den können sie jederzeit wieder erleben, verbunden aber mit der Möglichkeit, das kurz bei sich gehabte Essen auch wieder abgeben zu können. Und danach plagt sie wieder das schlechte Gewissen und die Scham. An Bulimie erkrankte sind ständigen Gefühlsschwankungen unterlegen. Diese gehen mit innerer Leere einher und die Schwierigkeiten der Teilnahme am sozialen Leben werden größer, und Selbstverletzungen wie auch Suizidgedanken können aufkommen.

Wer hilft, um aus diesem Teufelskreis des Essens und Erbrechens herauszukommen?

In Einzel-, Gruppen- und auch der Familientherapie kann mit psychotherapeutischer Hilfe zunächst nach den Gründen der bulimischen Erkrankung gesucht werden. Dann sollten die Patienten praktisch und theoretisch die Problembewältigung erlernen. Die Einstellung zu ihrer eigenen Person sollte positiver werden und auch der Körper muss wohlwollend angenommen werden. Eine ausführliche Anamnese (Befragung des Patienten z.B. nach Familie, Vorerkrankungen etc.) und weitere Untersuchungen sind sinnvoll. Die Normalisierung des exzessiven Essverhaltens sollte angestrebt werden und die bereits im Vorfeld oder auch zeitgleich aufgetretenen psychischen Probleme müssen behandelt werden. Dieses aller möglichen Weise unter Einbeziehung von Partner oder Eltern. Sollten ambulante Hilfen nicht ausreichen, sollte ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik angestrebt werden.
In einer Klinik kann geübt werden, wie wieder eine für sie passende Struktur gefunden werden kann, wie sie wieder ganz normal essen und das Gegessene auch bei sich behalten können.
Nein, man muss sich nicht nur mal zusammenreißen: Bulimie ist eine ernsthafte, oft sehr gefährliche Krankheit!

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